Geschichten

Warum der schwarze König Melchior so froh wurde.

Von Karl Heinrich Waggerl

Allm?hlich verbreitete sich das Ger?cht von dem wunderbaren Kinde mit dem Schein um s Haupt und drang bis in die fernsten L?nder. Dort lebten drei K?nige als Nachbarn, die seltsamerweise Kaspar, Melchior und Balthasar hie?en, wie heutzutage ein Ro?knecht oder ein Hausierer. Sie waren aber trotzdem echte K?nige, und was noch merkw?rdiger ist, auch weise M?nner. Nach dem Zeugnis der Schrift verstanden sie den Gang der Gestirne vom Himmel abzulesen, und das ist eine schwierige Kunst, wie jeder wei?, der einmal versucht hat, hinter einem Stern herzulaufen.

Diese drei also taten sich zusammen, sie r?steten ein pr?chtiges Gefolge aus, und dann reisten sie eilig mit Kamelen und Elefanten gegen Abend. Tags?ber ruhten Menschen und Tiere unter den Felsen in der steinigen W?ste, und auch der Stern, dem sie folgte, der Komet, wartete geduldig am Himmel und schwitzte nicht wenig in der Sonnenglut, bis es endlich wieder dunkel wurde. Dann wanderte er von neuem vor dem Zuge her und leuchtete feierlich und zeigte den Weg.

Auf diese Art ging die Reise gut voran, aber als der Stern ?ber Jerusalem hinaus gegen Bethlehem zog, da wollten ihm die K?nige nicht mehr folgen. Sie dachten, wenn da ein F?rstenkind zu besuchen sei, dann m?sse es doch wohl in einer Burg liegen und nicht in einem armseligen Dorf. Der Stern geriet sozusagen in Wei?glut vor Verzweiflung, er sprang hin und her und wedelte und winkte mit dem Schweif, aber das half nichts. Die drei Weisen waren von einer solchen Gelehrtheit, da? sie l?ngst nicht mehr verstehen konnten, was jedem Hausverstand einging. Indessen kam auch der Morgen heraus, und der Stern verblich. Er setzte sich traurig in die Krone eines Baumes neben dem Stall, und jedermann, der vor?berging, hielt ihn f?r nichts weiter als eine vergessene Zitrone im Ge?st. Erst in der Nacht kletterte er heraus und schwang sich ?ber das Dach.

Die K?nige sahen ihn begl?ckt, Hals ?ber Kopf kamen sie herbeigeritten. Den ganzen Tag hatten sie nach dem verhei?enen Kinde gesucht und nichts gefunden, denn in der Burg zu Jerusalem sa? nur ein widerw?rtiger fetter Bursche namens Herodes.

Nun war aber der eine von den dreien, der Melchior hie?, ein Mohr, baumlang und tintenschwarz, da? selbst im hellen Schein des Sternes nichts von ihm zu sehen war als ein Paar Aug?pfel und ein f?rchterliches Gebi?. Daheim hatte man ihn zum K?nig erhoben, weil er noch ein wenig schw?rzer war als die anderen Schwarzen, aber nun merkte er zu seinem Kummer, da? man ihn hierzulande ansah, als ob er in der Haut des Teufels steckte. Schon unterwegs waren alle Kinder kreischend in den Scho? der Mutter gefl?chtet, sooft er sich von seinem Kamel herabbeugte, um ihnen Zuckerzeug zu schenken, und die Weiber w?rden sich bekreuzigt haben, wenn sie damals schon h?tten wissen k?nnen, wie sich ein Christenmensch gegen Anfechtungen sch?tzt.

Als letzter in der Reihe trat Melchior zaghaft vor das Kind und warf sich zur Erde. Ach, h?tte er jetzt nur ein kleines wei?es Fleckchen zu zeigen gehabt oder wenigstens sein Innerstes nach au?en kehren k?nnen! Er schlug die H?nde vors Gesicht, voll Bangen, ob sich auch das Gotteskind vor ihm entsetzen w?rde.

Weil er aber weiter kein Geschrei vernahm, wagte er ein wenig durch die Finger zu schielen, und wahrhaftig, er sah den holden Knaben l?cheln und die H?nde nach seinem Kraushaar ausstrecken.

?ber die Ma?en gl?cklich war der schwarze K?nig! Nie zuvor hatte er so gro?artig die Augen gerollt und die Z?hne gebleckt von einem Ohr zum anderen. Melchior konnte nicht anders, er mu?te die F??e des Kindes umfassen und alle seine Zehen k?ssen, wie es im Mohrenlande der Brauch war.

Als er aber die H?nde wieder l?ste, sah er das Wunder; - sie waren innen wei? geworden"!

Und seither haben alle Mohren helle Handfl?chen, geht nur hin und seht es und gr??t sie br?derlich.
4.12.05 18:51


Die stillste Zeit im Jahr

Von Karl Heinrich Waggerl

Immer am zweiten Sonntag im Advent stieg der Vater auf den Dachboden und brachte die gro?e Schachtel mit dem Krippenzeug herunter. Ein paar Abende lang wurde dann flei?ig geleimt und gemalt, etliche Sch?fchen waren ja lahm geworden, und der Esel mu?te einen neuen Schwanz bekommen, weil er ihn in jedem Sommer abwarf wie ein Hirsch sein Geweih. Aber endlich stand der Berg wieder wie neu auf der Fensterbank, mit gl?nzendem Flitter angeschneit, die m?chtige Burg mit der Fahne auf den Zinnen und darunter der Stall.

Das war eine recht gem?tliche Behausung, eine Stube eigentlich, sogar der Herrgottswinkel fehlte nicht und ein winziges ewiges Licht unter dem Kreuz. Unsere Liebe Frau kniete im seidenen Mantel vor der Krippe, und auf der Strohsch?tte lag das rosige Himmelskind, leider auch nicht mehr ganz heil, seit ich versucht hatte, ihm mit der Brennschere neue Locken zu drehen. Hinten standen Ochs und Esel und bestaunten das Wunder. Der Ochs bekam sogar ein B?schel Heu ins Maul gesteckt, aber er fra? es ja nie. Und so ist es mit allen Ochsen, sie schauen nur und schauen und begreifen rein gar nichts.

Weil der Vater selber Zimmermann war, hielt er viel darauf, da? auch sein Patron, der heilige Joseph, nicht nur so herumlehnte, er dachte sich in jedem Jahr ein anderes Gesch?ft f?r ihn aus. Joseph mu?te Holz hacken oder die Suppe kochen oder mit der Laterne die Hirten einweisen, die von ?berallher gelaufen kamen und K?se mitbrachten oder Brot oder was sonst arme Leute zu schenken haben.
Es hauste freilich ein recht ungleiches Volk in unserer Krippe, ein J?ger, der zwei Wilddiebe am Strick hinter sich herzog, aber auch etliche Zinnsoldaten und der F?rst Bismarck und ?berhaupt alle Bestraften aus der Spielzeugkiste.

Ganz zuletzt kam der Augenblick, auf den ich schon tagelang lauerte. Der Vater klemmte pl?tzlich meine Schwester zwischen die Knie, und ich durfte ihr das l?ngste Haar aus dem Zopf ziehen, ein ganzes B?schel mitunter, damit man gen?gend Auswahl hatte, wenn dann ein golden gefiederter Engel darangekn?pft und ?ber der Krippe aufgeh?ngt wurde, damit er sich unmerklich drehte und wachsam umherblickte.

Das Gloria sangen wir selber dazu. E klang vielleicht ein bi?chen grob in unserer breiten Mundart, aber Gott schaut seinen Kindern ja ins Herz und nicht in den Kopf oder aufs Maul. Und es ist auch gar nicht so, da? er etwa nur Latein verst?nde.

Mitunter stimmten wir auch noch das Lieblingslied der Mutter an, das vom Tannenbaum. Sie beklagte es ja oft, da? wir so gar keine musikalische Familie waren. Nur sie selber konnte gut singen, hinrei?end sch?n f?r meine Begriffe, sie war ja auch in ihrer Jugend Kellnerin gewesen. Wir freilich kamen nie ?ber eine Strophe hinaus. Schon bei den ersten T?nen fing die Schwester aus ?bergro?er Ergriffenheit zu schluchzen an. Der Vater hielt ein paar Takte l?nger aus, bis er endlich merkte, da? seine Weise in ein ganz anderes Lied geh?rte, etwa in das von dem Kanonier auf der Wacht. Ich selber aber konnte in meinem verbohrten Gr?beln, wieso denn ein Tannenbaum zur Winterzeit gr?ne Bl?tter hatte, die zweite Stimme nicht halten.

Daraufhin brachte die Mutter auch mich mit einem Kopfst?ck zum Schweigen und sang das Lied als Solo zu Ende, wie sie es gleich h?tte tun sollen. Advent, sagt man, sei die stillste Zeit im Jahr. Aber in meinem Bubenalter war es keineswegs die stillste Zeit. In diesen Wochen lief die Mutter mit hochroten Wangen herum, wie mit Sprengpulver geladen, und die Luft in der K?che war sozusagen geschw?ngert mit Ohrfeigen. Dabei roch die Mutter so unbeschreiblich gut, ?berhaupt ist ja der Advent die Zeit der k?stlichen Ger?che. Es duftet nach Wachslichtern, nach angesengtem Reisig, nach Weihrauch und Brat?pfeln. Ich sage ja nichts gegen Lavendel und Rosenwasser, aber Vanille riecht doch eigentlich viel besser, oder Zimt und Mandeln.

Mich ereilten dann die qualvollen Stunden des Teigr?hrens. Vier Vaterunser das Fett, drei die Eier, ein ganzer Rosenkranz f?r Zucker und Mehl. Die Mutter hatte die Gewohnheit, alles Zeitliche in ihrer Kochkunst nach Vaterunsern zu bemessen, aber die mu?ten laut und sorgf?ltig gebetet werden, damit ich keine Gelegenheit f?nde, den Finger in den k?stlichen Teig zu tauchen. Wenn ich nur erst den Bubenstr?mpfen entwachsen w?re, schwor ich mir damals, dann wollte ich eine ganze Sch?ssel voll Kuchenteig aufessen, und die K?chin sollte beim geheizten Ofen stehen und mir dabei zuschauen m?ssen!

Aber leider, das ist einer von den Knabentr?umen geblieben, die sich nie erf?llt haben. Am Abend nach dem Essen wurde der Schmuck f?r den Christbaum erzeugt. Auch das war ein unheilschwangeres Gesch?ft. Damals konnte man noch ein Buch echten Blattgoldes f?r ein paar Kreuzer beim Kr?mer kaufen. Aber nun galt es, N?sse in Leimwasser zu tauchen und ein hauchd?nnes Goldh?utchen herumzublasen. Das Schwierige bei der Sache war, da? man vorher nirgendwo Luft von sich geben durfte. Wir sa?en alle in der Runde und liefen braunrot an vor Atemnot, und dann geschah es eben doch, da? jemand pl?tzlich niesen mu?te. Im gleichen Augenblick segelte eine Wolke von gl?nzenden Schmetterlingen durch die Stube.

Einerlei, wer den Zauber verschuldet hatte, das Kopfst?ck bekam jedenfalls ich, obwohl es nur bewirkte, da? sich der goldene Unsegen von neuem in die L?fte hob. Ich wurde dann in die Schlafkammer verbannt und mu?te Silberpapier um Lebkuchen wickeln, um ungez?hlte Lebkuchen.

Kurz vor dem Fest, sinnigerweise am Tag des ungl?ubigen Thomas, mu?te der Wunschzettel f?r das Christkind geschrieben werden, ohne Kleckse und Fehler, versteht sich, und mit Farben sauber ausgemalt. Zuoberst verzeichnete ich anstandshalber, was ja ohnehin von selber eintraf, die Pudelhaube oder jene Art von Wollstr?mpfen, die so entsetzlich bissen, als ob sie mit Ameisen gef?llte w?ren. Darunter aber schrieb ich Jahr f?r Jahr mit hoffnungsloser Geduld den k?hnsten meiner Tr?ume, den Anker-Steinbaukasten, ein Wunderwerk nach allem, was ich davon geh?rt hatte. Ich glaube ja heute noch, da? sogar die Architekten der Jahrhundertwende ihre Eingebungen von dorther bezogen haben.
Aber ich selber bekam ihn ja nie, wahrscheinlich wegen der ungemein sorgf?ltigen Buchhaltung im Himmel, die alles genau verzeichnete, gestohlene Zuckerst?cke und zerbrochene Fensterscheiben und ?hnliche Missetaten, die sich durch ein paar Tage auff?lliger Fr?mmigkeit vor Weihnachten auch nicht mehr abgelten lie?en.
Wenn mein Wunschzettel endlich fertig vor dem Fenster lag, mu?te ich aus br?derlicher Liebe auch noch den f?r meine Schwester schreiben. Ungemein zungenfertig plapperte sie von einer Schlafpuppe, einem Kramladen, lauter albernes Zeug. Da und dort schrieb ich wohl ein heimliches "Mu? nicht sein" dazu, aber vergeblich. Am Heiligen Abend konnte sie doch eine Menge von Fr?chten ihrer Unversch?mtheit ernten. Der Vater, als Haupt und Ern?hrer unserer Familie, brauchte nat?rlich keinen Wunschzettel zu liefern. F?r ihn dachte sich die Mutter in jedem Jahr etwas Besonderes aus. Ich erinnere mich noch an ein Sitzkissen, das sie ihm einmal bescherte, ein Wunderwerk aus bemaltem Samt, mit einer Goldschnur eingefa?t.

Er bestaunte es auch sehr und lobte es ?berschwenglich, aber eine Weile sp?ter schob er es doch heimlich wieder zur Seite. Offenbar wagte es nicht einmal er, auf einem r?hrenden Hirschen zu sitzen, mitten im Hochgebirge. F?r uns Kinder war es hergebracht, da? wir nichts schenken durften, was wir nicht selber gemacht hatten. Meine Schwester konnte sich leicht helfen, sie war ja immerhin ein Frauenzimmer und verstand sich auf die Strickerei oder sonst eine von diesen hexenhaften Weiberk?nsten, die mir zeitlebens unheimlich gewesen sind.

Einmal nun dachte auch ich etwas Besonderes zu tun. Ich wollte den N?hsessel der Mutter mit Kufen versehen und einen Schaukelstuhl daraus machen, damit sie ein wenig Kurzweil h?tte, wenn sie am Fenster sitzen und meine Hosen flicken mu?te. Heimlich s?gte ich also und hobelte in der Holzh?tte, und es geriet mir auch alles vortrefflich. Auch der Vater lobte die Arbeit und meinte, es sei eine gro?artige Sache, wenn es uns nur auch gel?nge, die Mutter in diesen Stuhl hineinzulocken.

Aber aufger?umt, wie sie am Heiligen Abend war, tat sie mir wirklich den Gefallen. Ich wiegte sie, sanft zuerst und allm?hlich ein bi?chen schneller, und es gefiel ihr ausnehmend wohl. Niemand merkte jedenfalls, da? die Mutter immer stiller und blasser wurde, bis sie pl?tzlich ihre Sch?rze an den Mund pre?te - es war durchaus kein Gel?chter, was sie damit ersticken mu?te.

Lieber, sagte sie hinterher, weit lieber wollte sie auf einem wilden Kamel durch die W?ste Sahara reiten, als noch einmal in diesem Stuhl sitzen! Und tats?chlich, noch auf dem Weg zur Mette hatte sie einen glasigen Blick, etwas seltsam Wiegendes in ihrem Schritt.



4.12.05 18:45


Der kleine Baumwollfaden

Es war einmal ein kleiner Baumwollfaden, der hatte Angst, dass es nicht ausreicht, so, wie er war: "F?r ein Schiffstau bin ich viel zu schwach", sagte er sich, "und f?r einen Pullover zu kurz. An andere anzukn?pfen, habe ich viel zu viele Hemmungen. F?r eine Stickerei eigne ich mich auch nicht, dazu bin ich zu blass und farblos.Ja, wenn ich aus Lurex w?re, dann k?nnte ich eine Stola verzieren oder ein Kleid. Aber so?! Es reicht nicht! Was kann ich schon? Niemand braucht mich. Niemand mag mich - und ich mich selbst am wenigsten." So sprach der kleine Baumwollfaden, legte traurige Musik auf und f?hlte sich ganz niedergeschlagen in seinem Selbstmitleid. Da klopfte ein Kl?mpchen Wachs an seine T?r und sagte: "Lass dich doch nicht so h?ngen, du Baumwollfaden. Ich hab' da so eine Idee: Wir beide tun uns zusammen. F?r eine Osterkerze bist du zwar als Docht zu kurz und ich hab' daf?r nicht genug Wachs, aber f?r ein Teelicht reicht es allemal. Es ist doch viel besser, ein kleines Licht anzuz?nden, als immer nur ?ber die Dunkelheit zu jammern!" Da war der kleine Baumwollfaden ganz gl?cklich, tat sich mit dem Kl?mpchen Wachs zusammen und sagte: "Nun hat mein Dasein doch einen Sinn." Und wer wei?, vielleicht gibt es in der Welt noch mehr kurze Baumwollf?den und kleine Wachskl?mpchen, die sich zusammentun k?nnten, um der Welt zu leuchten?! (Autor unbekannt)
4.12.05 12:12


Ein kleiner Junge besuchte seinen Großvater

Ein kleiner Junge besuchte seinen Gro?vater und sah ihm zu, wie er die Krippenfiguren schnitzte. Der Junge schaute sie sich ganz intensiv an , und sie fingen an, f?r ihn zu leben. Da schaute er das Kind an - und das Kind schaute ihn an. Pl?tzlich bekam er einen Schrecken , und die Tr?nen traten ihm in die Augen. "Warum weinst du denn?" fragte das Jesuskind. "Weil ich dir nichts mitgebracht habe", sagte der Junge. "Ich will aber gerne etwas von dir haben", entgegnete das Jesuskind. Da wurde der Kleine rot vor Freude. "Ich will dir alles schenken, was ich habe", stammelte er . "Drei Sachen m?chte ich von dir haben", sagte das Jesuskind. Da fiel ihm der Kleine ins Wort: "Meinen neuen Mantel, meine elektrische Eisenbahn, mein sch?nes Buch ..."?- Nein", entgegnete das Jesuskind, "das alles brauche ich nicht. Schenk mir deinen letzten Aufsatz."

Da erschrak der Kleine. "Jesus", stotterte er ganz verlegen... und fl?sterte: "Da hat doch der Lehrer 'ungen?gend darunter geschrieben". "Eben deshalb will ich ihn haben", antwortete das Jesuskind. "Aber, warum denn?" fragte der Junge. "Du sollst mir immer das bringen, wo 'ungen?gend' darunter steht. Versprichst du mir das"?. "Sehr gern" , antwortete der Junge. "Aber ich will noch ein zweites Geschenk von dir", sagte das Jesuskind..., "deinen Milchbecher". "Aber den habe ich doch heute zerbrochen", entgegnete der Junge. "Du sollst mir immer das bringen, was du im Leben zerbrochen hast. Ich will es wieder heil machen. Gibst du mir das auch?" "Das ist schwer", sagte der Junge. "Hilfst du mir dabei?" "Aber nun mein dritter Wunsch", sagte das Jesuskind.

"Du sollst mir nun noch die Antwort bringen, die du der Mutter gegeben hast, als sie fragte, wie denn der Milchbecher kaputtgegangen ist". Da legte der Kleine die Stirn auf die Kante und weinte so bitterlich: "Ich, ich, ich ...",brachte er unter Schluchzen m?hsam heraus... "ich habe den Becher umgesto?en; in Wahrheit habe ich ihn absichtlich auf die Erde geworfen." "Ja, du sollst mir all deine L?gen, deinen Trotz, dein B?ses, was du getan hast, bringen", sagte das Jesuskind. "Und wenn du zu mir kommst, will ich dir helfen; ich will dich annehmen in deiner Schw?che; ich will dir immer neu vergeben; ich will dich an deiner Hand nehmen und dir den Weg zeigen. "Willst du dir das schenken lassen?" Und der Junge schaute, h?rte und staunte .... .

Walter Baudec
2.12.05 11:45


Am Weihnachtsmorgen 1772

Am Weihnachtsmorgen 1772
Johann Wolfgang von Goethe an Johann Christian Kestner

Frankfurt, den 25. Dezember 1772

Christtag fr?h. Es ist noch Nacht, lieber Kestner, ich bin aufgestanden, um bei Lichte morgens wieder zu schreiben, das mir angenehme Erinnerungen voriger Zeiten zur?ckruft; ich habe mir Coffee machen lassen, den Festtag zu ehren, und will euch schreiben, bis es Tag ist. Der T?rmer hat sein Lied schon geblasen, ich wachte dar?ber auf. Gelobet seist du, Jesus Christ! Ich hab diese Zeit des Jahrs gar lieb, die Lieder, die man singt, und die K?lte, die eingefallen ist, macht mich vollends vergn?gt. ich habe gestern einen herrlichen Tag gehabt, ich f?rchtete f?r den heutigen, aber der ist auch gut begonnen, und da ist mir's f?rs Enden nicht angst.

Der T?rmer hat sich wieder zu mir gekehrt; der Nordwind bringt mir seine Melodie, als blies er vor meinem Fenster. Gestern, lieber Kestner, war ich mit einigen guten Jungens auf dem Lande; unsre Lustbarkeit war sehr laut und Geschrei und Gel?chter von Anfang zu ende. Das taugt sonst nichts f?r de kommende Stunde. Doch was k?nnen die heiligen G?tter nicht wenden, wenn's ihnen beliebt; sie gaben mir einen frohen Abend, ich hatte keinen Wein getrunken, mein Aug war ganz unbefangen ?ber die Natur. Ein sch?ner Abend, als wir zur?ckgingen; es ward Nacht. Nun mu? ich Dir sagen, das ist immer eine Sympathie f?r meine Seele, wenn die Sonne lang hinunter ist und die Nacht von Morgen heraus nach Nord und S?d um sich gegriffen hat, und nur noch ein d?mmernder Kreis von Abend herausleuchtet. Seht, Kestner, wo das Land flach ist, ist's das herrlichste Schauspiel, ich habe j?nger und w?rmer stundenlang so ihr zugesehn hinabd?mmern auf meinen Wanderungen. Auf der Br?cke hielt ich still. Die d?stre Stadt zu beiden Seiten, der stilleuchtende Horizont, der Widerschein im Flu? machte einen k?stlichen Eindruck in meine Seele, den ich mit beiden Armen umfa?te. Ich lief zu den Gerocks, lie? mir Bleistift geben und Papier und zeichnete zu meiner gro?en Freude das ganze Bild so d?mmernd warm, als es in meiner Seele stand. Sie hatten alle Freude mit mir dar?ber, empfanden alles, was ich gemacht hatte, und da war ich's erst gewi?, ich bot ihnen an, drum zu w?rfeln, sie schlugen's aus und wollen, ich soll's Mercken schicken. Nun h?ngt's hier an meiner Wand und freut mich heute wie gestern. Wir hatten einen sch?nen Abend zusammen, wie Leute, denen das Gl?ck ein gro?es Geschenk gemacht hat, und ich schlief ein, den Heiligen im Himmel dankend, da? sie uns Kinderfreude zum Christ bescheren wollen.

Als ich ?ber den Markt ging und die vielen Lichter und Spielsachen sah, dacht ich an euch und meine Bubens, wie ihr ihnen kommen w?rdet, diesen Augenblick ein himmlischer Bote mit dem blauen Evangelio, und wie aufgerollt sie das Buch erbauen werde. H?tt ich bei euch sein k?nnen, ich h?tte wollen so ein Fest Wachsst?cke illuminieren, da? es in den kleinen K?pfen ein Widerschein der Herrlichkeit des Himmels gegl?nzt h?tte. Die Torschlie?er kommen vom B?rgermeister und rasseln mit den Schl?sseln. Das erste Grau des Tags kommt mir ?ber des Nachbarn Haus, und die Glocken l?uten eine christliche Gemeinde zusammen. Wohl, ich bin erbaut hier oben auf meiner Stube, die ich lang nicht so lieb hatte als jetzt.
2.12.05 09:17


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